Vom Ordnungshüter zum Künstler

Kultur

Gerald Kastner

Vom Ordnungshüter zum Künstler

12. Mai. 2020 | Niederkreuzstetten

Gerald Kastner aus Niederkreuzstetten hat nicht nur eine besondere Geschichte zu erzählen, sondern eigentlich sehr viele. In verschiedenster Form können diese wahrgenommen werden - er verfasst Mundart-Gedichte, malt und schreibt seit neuestem sogar Lieder.

Der ehemalige Polizist, der nicht nur diverse Sondereinheiten wie die WEGA verstärkte und auch im Auslandseinsatz im Kosovo war, hat sich in seiner Pension ganz der Kunst verschrieben. Mit ein Grund dafür war die Krankheit Parkinson, an der der Beamte im Ruhestand erkrankt ist.

Gerry Kastner mit seinem neuen Buch "Bliah mit mia..."

Kreative Polizei

Wenn man den unaufgeregten Maler, Dichter und auch Songwriter nach seiner Inspiration fragt, dann berichtet er von emotionalen Situationen, die er vor allem in seiner beruflichen Laufbahn als Exekutivbeamter erleben musste – aus dieser Zeit gibt es viel zu verarbeiten. Auch unter den ehemaligen Kollegen von Gerald Kastner finden sich laut seiner Erzählung viele kreative Kameraden. Als Grund dafür kann er sich vorstellen, dass man als Uniformierter die Emotionen „schlucken“ muss, aber dennoch ein Ventil dafür finden muss. Generell sagt er, sobald Zeit war, habe er immer etwas Kreatives gemacht.

Aber auch Erinnerungen aus dem Ausland begleiten manchmal den „Kreativschub“ - wie er seine künstlerischen Schaffensperioden nennt. Beispielsweise verarbeitet der er in seinen Weihnachtsgedichten, die unter dem Titel „´s Christkindl“ erscheinen, Episoden aus seiner Zeit im Kosovo.

Auch in der Natur findet Gerald Kastner Kraft, da sie ihm am Herzen liegt und das wundervolle Weinviertel mit seinen ausladenden Ebenen geradezu zum Verweilen und Muße holen einlädt.

Der Künstler bei der Arbeit - vorwiegend mit Schwamm

Drei Engel für Gerald

Ganz ruhig und liebevoll berichtet der Kunstschaffende von seiner Frau Sabine, die ihm in schwierigen Zeiten eine besondere Hilfe ist. Die Krankheit verlangt Herrn Kastner viel ab, aber seine Herzdame steht ihm auch im Angesicht des künstlerischen Chaos zu Seite und gibt ihm die Kraft durchzuhalten und weiterzumachen. Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen erzählt er von der unentbehrlichen Hilfe seiner Gattin und der Kraft, die sie ihm gibt.

Ein besonderes Dankeschön geht außerdem an die große Schwester Michaela, die selbst seit über 40 Jahren im Kunstgeschäft tätig ist, und ihrem Bruder mit Rat und Tat zur Seite steht, auch wenn die Krankheit von Zeit zu Zeit überhandnimmt.

Geralds Mutter, Rosa Kastner, möchte der Interviewte ebenfalls erwähnt wissen. Voller Dankbarkeit erzählt er liebevoll von der 79-Jährigen, die ihren Sohn immer voller Stolz unterstützt.

Die drei Frauen sind seine großen Stützen, seien es nun der emotionale Halt, die Aufräumarbeiten nach getaner Malerei oder das Organisieren einer Vernissage.

„Da kann i so sein, wie i bin“

Wenn man ihn zu seinem Bezug zur Mundart fragt, dann bekommt man prompt als Antwort: „Da kann i so sein, wie i bin“. Früher, so erzählt er, haben einem die Eltern immer gesagt man soll „schön“ sprechen, heute empfindet er es dennoch als wichtig, dass Mundart weitergesprochen und weitergegeben wird. Der Weinviertler ist stolz auf seine Herkunft, seinen Dialekt und lebt das auch. Seine Gedichte hat der talentierte Pensionist gemeinsam mit seinem engen Freund Alex Fridl, seines Zeichens Musiker und Komponist, auch akustisch verarbeitet. Die beiden Männer haben die Hörbücher zu seinen literarischen Werken selbst produziert: die Musik wurde selbst komponiert und auch eingespielt. Darauf ist er besonders stolz.

S‘Lochn

Wichtig ist ihm: der Humor darf nicht fehlen! Wenn man die Mundartgedichte von Gerald Kastner liest und ihm beim Erzählen zuhört, dann merkt man, dass es eine Mischung aus dem „Wienerischen“ und dem „Weinviertlerischen“ ist. Lachend erzählt er, dass natürlich berufsbedingt auch ein bisschen „Strizzi-Sprache“ (Jargon in kriminellem Milieu) in seine persönliche Mundart eingeflossen ist. Der Künstler schafft es somit seine eigene Identität und Geschichte nicht nur in diese Worte, sondern in all seine Schöpfungen einfließen zu lassen.

„Bliah mit mia …“ die neueste Erscheinung

Die neueste Erscheinung trägt den Titel „Bliah mit mia …“ – passend zur Jahreszeit und zum Muttertag findet man darin Gedichte rund um den Frühling, die zum Nachdenken, Lachen und Träumen anregen.

Der Autor hat uns verraten, dass das letzte Gedicht in diesem Band seiner eigenen Mutter gewidmet ist, die selbst auch Verse verfasst hat und ihm damit die Dichtkunst schon in die Wiege gelegt hat. „Sie feiert im nächsten Jahr den Achtzigsten und freut sich jedes Mal, wenn ich ihr einen meiner Verse vortrage!“, sagt Gerald Kastner.

Die aktuellsten Informationen und die Möglichkeit Werke von Gerald Kastner zu erstehen finden Sie hier: mundart.one

Fotos: Imre Antal

Text: Josefine Meier & Imre Antal, 12. Mai. 2020
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