Virtuelles Fest der Freude mit tausenden Zuschauern aus der ganzen Welt

Kultur

Mauthausen Komitee

Virtuelles Fest der Freude mit tausenden Zuschauern aus der ganzen Welt

10. Mai. 2021 | Wien

Tausende Menschen feierten am 8. Mai gemeinsam das Fest der Freude, das heuer aufgrund der Covid-19-Pandemie bereits zum zweiten Mal virtuell stattfand. Das Mauthausen Komitee setzt mit dieser Veranstaltung – am „Tag der Befreiung“ – ein Zeichen für ein „Niemals wieder“ und gedenkt gemeinsam mit Überlebenden und Interessierten den Opfern des Nationalsozialismus. Vor allem die Rede der österreichischen Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl war ein bewegender Moment. Die internationalen ZuseherInnen folgten der Feier über Livestream – österreichweit war das Fest der Freude in ORF III zu sehen.

Am 8. Mai 2021 jährte sich zum 76. Mal die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. An diesem Tag veranstaltete das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) im Gedenken an die Opfer und die Freude über die Befreiung der NS-Terrorherrschaft bereits zum neunten Mal das Fest der Freude. Die virtuelle Veranstaltung widmete sich im Jahr 2021 dem inhaltlichen Schwerpunkt "Vernichtete Vielfalt" und erinnert damit an die Vielfalt der Opfergruppen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, interniert und ermordet wurden. Auch dieses Jahr behandelt der thematische Fokus aktuelle Problematiken, aber auch Solidaritätsbewegungen. Tausende ZuseherInnen aus über 20 Ländern wie Österreich, Deutschland, aber auch Australien, China, Iran, Brasilien, Israel und USA waren dabei.

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich, eröffnete das Fest der Freude: „Das Wesen des Nationalsozialismus war nicht nur Vielfalt abzulehnen, sondern Vielfalt zu vernichten. Aber wir haben es geschafft, eine Nachkriegsgesellschaft zu bauen, die konträr zu dem steht, wie die Nazis agierten, die Vielfalt als Bereicherung sieht.“

Fest der Freude: Vielfalt als Stärke unserer Gesellschaft

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildeten die Reden von Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl und von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Katja Sturm-Schnabls Familie gehört der Volksgruppe der Kärntner SlowenInnen an. Im April 1942 wurde sie von den NS-Behörden deportiert und ins Lager Ebenthal bei Klagenfurt gebracht. Erst nach 1945, im Alter von neun Jahren, ist es ihr erstmals möglich, die Schule zu besuchen. In Wien studiert sie später Slawistik, südslawische Literatur und Kunstgeschichte.

„Wenn ich an die Lagerzeit zurückdenke, dann erinnere ich mich auch, wie sehr wir Kinder daran glaubten, dass es dort draußen außerhalb der Lagermauern Menschen gibt, die von uns wissen, die uns helfen wollen, die uns befreien werden. Auch heute, gerade heute, befinden sich Kinder wieder in Lagern. Es sind die Flüchtlings- und Migrationskinder, unschuldige Kinder, deren Eltern vor Krieg und Elend flohen. Und auch für diese Kinder sind die Menschen, die draußen leben in der freien Welt, die einzige Hoffnung, Hoffnung auf Hilfe und Empathie“, so Sturm-Schnabl in ihrer Rede.

Auch die Rede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen erinnerte an die Gräueltaten der nationalsozialistischen Terrorherrschaft: „Niemals wieder ist ein Auftrag, den wir jeden Tag ernstnehmen müssen. Das heißt, heute und in Zukunft entschieden gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus einzutreten.“ Er pochte aber auch auf die Stärke der Gegenwartsgesellschaft: „Der Geist der Gemeinsamkeit und Solidarität ist es, der uns in Europa nach 1945 eine lange Periode des Friedens gesichert hat. Ich denke, eine unserer größten Stärken ist die Vielfalt. Und sie ist ein Schatz, der uns alle reicher macht.“

Musikalische Beiträge unterstreichen die Vielfalt der Opfergruppen

Das Fest der Freude verpflichtete sich selbst zur Vielfalt und so war diese Vielfalt auch im musikalischen Programm zu sehen. Die Wiener Symphoniker, musikalischer Partner des „Fests der Freude“ der ersten Stunde, präsentieren u. a. die symphonische Dichtung "Miserae" des deutschen Komponisten Karl Amadeus Hartman. Neben den Beiträgen der Wiener Symphoniker mit Dirigent Ingo Metzmacher waren auch andere MusikerInnen, wie die Wladigeroff Brothers & Violinist Alexander Nantschev, das Orchester Divertimento Viennese mit Dirigent Vinzenz Praxmarer und PIPPA und Hans Wagner mit dabei, um die Vielfalt der Opfergruppen auszudrücken. Durch das virtuelle Fest der Freude, das mit der „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven einen feierlichen Abschluss fand, begleitete auch dieses Jahr Schauspielerin Katharina Stemberger.

Befreiungsfeier des KZ Mauthausen: Gedenkzug für die Opfergruppen

Die europaweit größte Internationale Befreiungsfeier findet am Sonntag, den 16. Mai 2021, diesmal in Form eines Gedenkzugs mit reduzierter TeilnehmerInnen-Anzahl, statt. Die behördlichen Vorgaben der Covid-19 Maßnahmen werden hier berücksichtigt. Um die Befreiungsfeier dennoch einem breiten Publikum zugänglich zu machen, wird das Gedenken live und international auf den Online-Kanälen des Mauthausen Komitee Österreich gestreamt und in ORF III unter dem Titel „Internationale Gedenk- und Befreiungsfeier 2021“ ab 11.00 Uhr übertragen.

Weitere Informationen:

Presseunterlagen und Fotos zum Download:

Quelle: Copyright APA-OTS Originaltext-Service und Mauthausen Komitee Österreich
Alle Rechte vorbehalten
Fotocredit: MKÖ

Text: Mauthausen Komitee Österreich, 10. Mai. 2021

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